In seiner jüngsten Sitzung hat der Bezirksrat Wipptal im Rahmen des Jahresrechenschaftsberichtes den Sozialbericht verabschiedet.
Der Generalsekretär Dr. Meinhard Hochwieser hat einen Rückblick über die Tätigkeiten des Sozialdienstes der Bezirksgemeinschaft im Jahr 2006 gemacht und dabei die wichtigsten Zahlen und Fakten erläutert. Insgesamt standen dem Sozialdienst der Bezirksgemeinschaft Wipptal im Jahr 2006 Euro 5.634.734,19 zur Verfügung. Der Betrag beinhaltet direkte finanzielle Zahlungen an Anspruchsberechtigte, ebenso wie die Kosten für Leistungen wie Unterbringung, Betreuung, Beratung und Pflege von Menschen und alle Verwaltungsspesen des Sozialdienstes der Bezirksgemeinschaft. Aufgebracht werden die Finanzmittel vom Landessozialfond, von den Gemeinden, von den NutzerInnen selbst in Form von Tarifzahlungen und durch den Verkauf von Produkten.
Die Anzahl der MitarbeiterInnen im Sozialdienst belief sich im Jahr 2006 auf 82.
Angesichts neuer sozialpolitischer Herausforderungen war die soziale Arbeit des letzten Jahres inhaltlich stark ausgerichtet auf Maßnahmen zur strategischen Positionierung und Ausrichtung des Sozialdienstes. „Der ökonomische Einsatz von Mitteln muss sich messen lassen und vertretbar sein für die Leistungen, welche die Bürgerinnen und Bürger bekommen – wir sehen den Sozialdienst als kundenorientierten Dienstleistungsbetrieb mit klaren gesetzlichen Vorgaben“, erläutert Frau Direktor Tinkhauser.
Aufgrund der geänderten Familienstrukturen mit zunehmender Abnahme der familiären Ressourcen bzw. zunehmender Überforderung der Angehörigen, ist eine Steigerung des Bedarfs an stationären und teilstationären Betreuungsplätzen für Menschen mit Behinderung, für psychisch Kranke sowie für alte und kranke Menschen festzustellen. Die dadurch resultierende Raumnot prägt die Arbeitssituation in allen Bereichen.
In den verschiedenen
teilstationären und stationären Einrichtungen wurden im Jahr 2006 insgesamt 123 Personen – das bedeutet einen Zuwachs von 3% im Vergleich zum Vorjahr - betreut: 48 Menschen mit Behinderung, 27 Menschen mit psychischen Problemen, 8 Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, 40 Senioren im Tagespflegeheim.
Insgesamt 12 Personen (mit Behinderung od. psychischer Erkrankung) aus dem Wipptal werden in Einrichtungen anderer Bezirksgemeinschaften betreut.
Der Bedarf an Wohn- und Betreuungsplätzen für
Menschen mit Behinderung nimmt stetig zu. Die Wohneinrichtung werden oft zur definitiven Bleibe und die Gruppen zum Familienersatz bzw. zur zweiten Familie für die Betreuten.
In den Arbeitsbereichen für Menschen mit Behinderung wurde neben den regulären Tätigkeiten eine intensive Aufbauarbeit zur Errichtung der Rehabilitationsgruppe „Wäscherei“, wo die KlientInnen die gesamte Wäsche für das Sozialzentrum besorgen, geleistet. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt lag im Aufbau eines Onlineshops zur Vermarktung unserer Produkte. Mit dem Ziel Menschen mit Beeinträchtigung und die sozialen Einrichtungen heraus aus dem sozialen Schattendasein hin zur sozialen Teilhabe am modernen Leben zu führen und ihren Lebensalltag sichtbar zu machen, beteiligten wir uns an einem Gemeinschaftsprojekt mit der Bezirksgemeinschaft Unterland und konnten den Webshop „Famos – Besondere Sachen von besonderen Menschen“ starten (
www.famos.it).
Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Weiterbildung zur Teamentwicklung. Es gehört zum Leitungsverständnis der Bezirksgemeinschaft Wipptal, der Weiterbildung einen großen Stellenwert einzuräumen und so eine wichtige Grundlage zu schaffen, um die Qualität der Leistungen und den sozialen Nutzen für die BürgerInnen zu verbessern und den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.
In der
Sozialpsychiatrie belastet die Raumnot den teilstationären Bereich. Eine kontinuierliche und starke Zunahme von Anfragen und Aufnahmen ist zu verzeichnen. Auffällig ist, dass die Zielgruppe jünger wird und es sich vor allem um Personen mit chronischer psychischer Erkrankung und einem höheren Betreuungsbedarf handelt.
Schwierig gestaltet sich die soziale Betreuung von
suchtkranken Menschen, insbesondere wenn sie nicht abstinent sind und eine sozialpädagogische Orientierung kaum möglich ist. Hier wäre oft das Angebot von reinen Schlafmöglichkeiten ausreichend, um die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern, wenngleich die Situation sozial schwierig bleibt.
In den Arbeitsbereichen für
psychisch kranke Menschen und Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen wurden neben den regulären Tätigkeiten verschiedene Aktivitäten und Projekte zur Erweiterung und Sicherung des sozialen Angebotes, der Leistungsqualität und der Produktpalette umgesetzt. Der Umsatz aus dem Verkauf der Produkte bzw. den Auftragsarbeiten in den Bereichen Holz und Metall belief sich auf Euro 82.726,07.
Voll ausgelastet ist auch das
Tagespflegeheim für Senioren – zum Bedauern der Betroffenen und des Sozialdienstes übersteigt die Nachfrage die Aufnahmekapazität. Eine Befragung von Betreuten und Angehörigen hat insgesamt eine große Zufriedenheit mit der Betreuung im Tagespflegeheim ergeben. Das Tagespflegeheim bietet professionelle Betreuung, Pflege, ein geselliges Unterhaltungsangebot und bringt gleichzeitig Entlastung für die Familien.
Im
Sozialsprengel haben sich die erweiterten Öffnungszeiten bewährt und werden beibehalten, wenngleich auch hier, in den verschiedenen ambulanten Leistungsbereichen, die Raumsituation belastend auf die Arbeits- und Organisationsmöglichkeiten wirkt.
Finanzielle Sozialhilfe: Im Jahr 2006 wurden 259 AntragstellerInnen mit 568 Familienmitgliedern, das entspricht 5% der EinwohnerInnen des Wipptals, finanziell unterstützt.
Es wurden weniger Geldmittel für die Leistung „Soziales Mindesteinkommen ausgegeben“, was auf die gut koordinierte und qualifizierte soziale Arbeit mit den externen Partnern zurückzuführen ist. Hingegen bestätigt sich der Trend der letzten Jahre mit dem Anstieg der Leistung „Miete- und Wohnungsnebenkosten“ um 11%.
Im Jahr 2006 wurden gegen 6 AntragstellerInnen Anzeige wegen Falscherklärung erstattet.
Sozialpädagogische Grundbetreuung: In der sozialpädagogischen Betreuung von Minderjährigen fällt die Zunahme der Komplexität der familiären Problematiken auf. Im Jahr 2006 wurden 100 Kinder ambulant betreut. Es werden vermehrt Fälle von Gewalt an Kindern und Gewalt innerhalb der Familien gemeldet, Schulverweisungen nehmen zu, die Anzahl von Kindern ausländischer Herkunft nimmt zu. Hingegen ist das sozial-kulturelle Angebot für Jugendliche gering und auch sozialpädagogische Einrichtungen für Jugendliche fehlen. Allgemein zeigt sich bei der Bevölkerung jedoch mehr Sensibilität für soziale Themen und schwierige Lebenssituationen und die Wichtigkeit der Familienförderung- und –unterstützung bestätigt sich.
Im ambulanten Erwachsenenbereich sind v.a. Menschen mit psychischen Erkrankungen, mit Suchterkrankung, mit Behinderung, Haftentlassene, Senioren und Obdachlose das Klientel. Insgesamt wurden 66 Erwachsene sozialpädagogisch betreut.
Soziale Hauspflege: Die professionelle Betreuung durch die soziale Hauspflege bleibt unumstritten und jene Personen welche die Erfahrung machen, dass die „Badanti“ die fachliche Pflege für ihre Angehörigen zu Hause nicht bieten können, greifen gerne wieder auf die Hauspflege zurück. Im Jahr 2006 wurde soziale Hauspflege bei 112 Personen zu Hause erbracht.
In den Tagesstätten der Gemeinden wurden von der Hauspflege 1925 Leistungseinheiten (Bad/Dusche, Fußpflege, Haarwäsche, Wäsche) erbracht.
2006 wurden 18.316 Essen auf Rädern ausgegeben.
Zusätzliche Schwerpunkte in der Arbeit des Sozialsprengels waren verschiedene soziale Projekte für Minderjährige und der Aufbau der Freiwilligenarbeit im Bezirk.
Sehr gut angenommen wird die Möglichkeit der sozialpädagogischen Betreuung von Kleinkindern im Altern von 0-36 Monaten in der
Kindertagesstätte „Wipptal“. Im Jahr 2006 wurden 51 Kleinkinder betreut (8% der Kinder dieser Altersgruppe im Bezirk). Eine Befragung der Familien hat eine große Zufriedenheit mit der Qualität des Dienstes aufgezeigt und die Bezirksgemeinschaft darin bestätigt, dass diese Struktur eine wichtige Einrichtung zur Familienförderung und –unterstützung im Bezirk darstellt. Zur Durchführung des Dienstes besteht eine Konvention mit einer Sozialgenossenschaft. Weitere Konventionen bestehen mit der
Verbraucherzentrale und dem
Familienberatungsdienst. „Aktuelle soziale Themen bleiben nach wie vor der Bau des Sozialsprengels innerhalb 2010, die Stärkung der Familien, die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung in das Arbeitsleben und in das soziale Leben einerseits und andererseits der steigende Bedarf an sozialen Einrichtungen für diese Personen, die Zunahme von Menschen mit psychischen Problemen, die Pflege der Angehörigen zu Hause und die Zunahme der ausländischen Familien und deren Integration.“, berichtet Bezirkspräsident Leopold Siller mit dem Blick in die Zukunft.